Johanniskraut Anwendung & Wirkung

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Johanniskraut

Johanniskraut kann – so wird gesagt – dunkle Gedanken vertreiben, Wunden heilen, Muskelschmerzen lindern, einen ruhigen Schlaf fördern, Verdauungsbeschwerden verscheuchen und manches mehr. Der Heilpflanze mit mehr als zweitausendjähriger Tradition wird viel zugetraut.

Einige ihrer Wirkungen sind mittlerweile wissenschaftlich anerkannt und bestätigt. Daher bekam das Heilkraut mit dem lateinischen Pflanzennamen Hypericum perforatum L. im Jahr 1979 einen offiziellen Eintrag in die Liste der alten Heilpflanzen des Deutschen Arzneimittelkodex.

 

 

Interessante Wirkstoffe in winzigen Samen

Johanniskraut gehört mit circa 380 anderen Hypericum-Arten zur Familie derJohanniskrautgewächse (Hypericaceae). Seine vielen Geschwister können aber nicht mit der gleichen Wirksamkeit glänzen. Die bis zu einem Meter hoch wachsende Pflanze mit den weit verzweigten Stängeln schenkt uns um den 24. Juni, dem Johannistag, leuchtend gelbe Blüten mit langen Staubgefäßen. Genau diesem Termin der vollen Blütezeit verdankt die Heilpflanze vermutlich ihren deutschen Namen.

Jetzt ist auch die beste Erntezeit, da die Wirkstoffe nun ihren höchsten Gehalt aufweisen. Samen und Kraut der Pflanze enthalten Wirkstoffe, deren Komponenten sich in ihrem Zusammenwirken zu einem hochinteressanten Heilmittel verbinden. Man nennt das synergetische oder additive Effekte: Sind die Wirkungen alleine schon beachtlich, so verstärken sie sich in diesem Falle zusätzlich gegenseitig.

Beim Johanniskraut handelt es sich im Wesentlichen um folgende Inhaltsstoffe:

  • Hypericin und Pseudohypericin
  • Hyperforin und Adhyperforin
  • Flavonoide wie Quercetin, Quercetinglycoside, Kämpferol, Luteolin, Biflavonoide
  • Xanthone
  • Gerbstoffe
  • ätherische Öle
  • Pflanzensäuren
  • Wachse

Was sich für Sie vielleicht liest wie der Inhalt eines Chemiebaukastens, ist für Wissenschaftler ein spannendes Studienfeld. Die Liste der Studien zu Hypericum perforatum ist inzwischen unglaublich lang. Die Forschung umfasst zahlreiche Wirkungen, die der Heilpflanze zugeschrieben werden. (1)Johanniskraut gilt als eines der am besten untersuchten pflanzlichen Arzneimittel.

 

Arzneipflanze 2015 – so kann sie wirken

Die Arzneipflanze des Jahres wird vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ der Universität Würzburg gewählt. Damit wird in jedem Jahr eine Pflanze gewürdigt, die sowohl in der traditionellen als auch in der aktuellen Medizin von großer Bedeutung ist. In der Tat ist das Echte Johanniskraut inzwischen auch in der Schulmedizin angekommen und nicht mehr nur ein traditionelles Mittel der Volksmedizin. Hier finden Sie die Einsatzgebiete:

 

•    Medizinisch anerkannte Wirkungen

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Johanniskraut

Johanniskraut kann sowohl innerlich wie äußerlich angewendet werden. Für beide Einsatzmöglichkeiten gibt es gesicherte Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit.

–    Johanniskraut gegen leichte bis mittelschwere Depressionen (innerliche Anwendung) Haupteinsatz von Johanniskraut sind depressive Verstimmungen bis hin zu leichten bis mittelschweren Depressionen.

Viele Mediziner verschreiben es wegen seiner nachgewiesenen Wirkung auf diesem Gebiet (2). Oft sind Depressionen einhergehend mit Ängstlichkeit, Schlafstörungen, chronischer Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Unruhe. Die Standardzulassung in der Packungsbeilage von Johanniskrautpräparaten lautet daher „Zur Unterstützung der Behandlung von nervöser Unruhe und Schlafstörungen“.

Warum das pflanzliche Mittel so gut wirkt, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Fest steht: Vor allem Hypericin und Hyperforin sind in der Lage, die Botenstoffe im zentralen Nervensystem dahingehend zu beeinflussen, dass die „Glückshormone“ Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Körper erhöht werden. Deshalb hat die Arzneipflanze den Weg in die offizielle medizinische Leitlinie zur Behandlung der „Unipolaren Depression“ gefunden. (3) Auch die Kommissionen E/ESCOP und D (homöopathische Therapierichtung) nennen „Verstimmungszustände“ als eines der Anwendungsgebiete. (4) Wichtig zu wissen: Bei innerlicher Anwendung setzt eine stabile Wirksamkeit erst nach 4 bis 6 Wochen ein.

–    Johanniskraut bei Erkrankungen der Haut (äußerliche Anwendung) Die Kommisssion E nennt als Anwendungsgebiet für ölige Johanniskraut-Zubereitungen unter anderem die „Nachbehandlung von kleinen Wunden“ und „Verbrennungen 1. Grades“. (5) Im Jahr 2003 konnte im Rahmen einer Doktorarbeit nachgewiesen werden, dass Johanniskraut auch ein wirksames Mittel gegen Atopische Dermatitis ist, einer allergisch bedingten Hauterkrankung. (6) Hier kommen vor allem die wundheilenden, entzündungshemmenden, blutstillenden, adstringierenden, schmerzlindernden und antiviralen Eigenschaften der verschiedenen Inhaltsstoffe des Krautes zum Tragen.

 

•    Traditionelle Einsatzgebiete

Von Dioskurides über Hildegard von Bingen bis zu Paracelsus oder Hieronymus Kniphof: Alle namhaften Mediziner und Heilkundige vieler Jahrhunderte nannten Johanniskraut im Zusammenhang mit verschiedensten Erkrankungen. Auch zu diesen Zeiten standen seelische Verstimmungen und Angstzustände, genau wie Hautprobleme und Wunden aller Art, schon in der Indikationsliste. Dazu kamen Virusinfektionen, Neuralgien, Leber- und Gallenbeschwerden, Magenprobleme, Husten, Hexenschuss, Rheuma, Muskelverspannungen und Prellungen oder Verstauchungen.

Die Volksmedizin setzt es noch heute bei einigen dieser gesundheitlichen Probleme ein. Die Homöopathie verwendet es zudem bei Herz-Kreislauf-Problemen und Erkrankungen der Atemwege. In der Anthroposophischen Medizin gilt es als seelisch stärkendes Mittel.

 

•    Johanniskraut als Frauenheilpflanze

Johanniskraut kann beruhigend, entspannend, nervenstärkend, vitalisierend und kreislaufanregend wirken. Damit kann es auch Beschwerden der Wechseljahre (Unruhezustände, Schlaflosigkeit, Ängstlichkeit, Stimmungsschwankungen), des prämenstruellen Syndroms (Krämpfe, Verspannungen, Kopfschmerzen) oder der Wochenbettdepression lindern. Deshalb gilt Johanniskraut auch als typisches „Frauenkraut“. (7)

 

Die Anwendung der verschiedenen Darreichungsformen

Sie können Johanniskraut in verschiedenen Formen verwenden, wobei sich die Darreichungsformen je nach innerer oder äußerer Anwendung unterscheiden.

 

•    Innerliche Anwendung

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Johanniskraut Blüte

Zur Einnahme eignen sich Tabletten, Kapseln, Dragees und Globuli. Sie werden in standardisierten Verfahren hergestellt. Diese Präparate sind vornehmlich bei Depressionen und Nervenerkrankungen vorgesehen. Seit 2009 sind Arzneimittel mit Johanniskraut bei „mittelschweren depressiven Episoden“ verschreibungspflichtig. Niedriger dosierte Mittel sind frei verkäuflich.

Hier ist besonders auf höchste Qualität zu achten, die Hersteller durch entsprechende Zertifikate nachweisen können. Ebenfalls zur innerlichen Anwendung taugen Tee und Teemischungen sowie Tinkturen. Insbesondere Tee wird bei leichten Stimmungsschwankungen, Frauenbeschwerden, Verdauungsproblemen oder Schlafstörungen und innerer Unruhe empfohlen.

Bei der innerlichen Anwendung stehen die beruhigenden, nervenstärkenden, antidepressiven, magenberuhigenden und vitalisierenden Effekte von Johanniskraut im Vordergrund.

 

•    Äußerliche Anwendung

Zur äußeren Anwendung gibt es das Öl des Johanneskrauts. Wegen seiner kräftig roten Farbe wird es auch „Rotöl“ genannt. Wenn Sie die Blätter und Blüten der Pflanze zwischen den Fingern zerreiben, tritt ein öliger Saft aus und färbt Ihre Finger recht beeindruckend dunkelrot. Volkstümliche Namen wie Blutkraut, Jesuswundenkraut oder Herrgottsblut leiten sich von dieser besonderen Erscheinung ab. Freigesetzt wird die Flüssigkeit von zahllosen kleinen Öldrüsen auf Blättern und Blüten, die eine weitere Bezeichnung, nämlich „Tüpfelkraut“, bedingen.

Die Drüsen sehen wie kleine, durchscheinende  Tüpfelchen auf den Blättern aus. Das Öl ist reich an Antioxidantien. Johanniskrautöl eignet sich zur Einreibung bei Hautproblemen (etwa Neurodermitis, Hautjucken), kleinen Wunden, Verbrennungen, Sonnenbrand, Muskelverspannungen und –schmerzen, Prellungen. Hier stehen die entzündungshemmenden, wärmenden, entspannenden und wundheilenden Eigenschaften der Heilpflanze im Vordergrund.

 

–    Hier noch ein Tipp für selbst gemachtes Johanniskrautöl:
Geben Sie die gezupften Blüten des Johanneskrauts in ein durchsichtiges Schraubglas und bedecken Sie es mit Olivenöl. In die Sonne stellen und dort mindestens 2 Wochen stehen lassen. Hat sich das Öl leuchtend rot verfärbt, können Sie es abseihen. Jetzt lichtgeschützt aufbewahren.
Johanniskraut kann im Frühjahr oder Herbst ausgesät werden. Es mag sonnige Standorte. Allerdings wächst es „invasiv“, das heißt es verdrängt andere Pflanzen rundherum. Wild wachsende Pflanzen finden Sie an Weg-, Wald- und Straßenrändern, Böschungen, Gebüschen und Gräben.

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Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Die bei den chemischen Antidepressiva gefürchteten Nebenwirkungen entfallen beim Einsatz von Johanniskraut gegen Depressionen. Dennoch müssen Sie bei der Verwendung der Heilpflanze einige Punkte beachten:

–    Johanniskraut bewirkt eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlen und Sonnenlicht. Ausgiebige Sonnenbäder und Besuche im Solarium sollten Sie während der Anwendung unterlassen.

–    Eine zu hohe Dosierung kann eine leicht giftige Wirkung haben. Es kann zu Magen-Darm-Problemen oder Schwindel kommen. Deshalb ist es sehr wichtig, immer die Dosierhinweise des jeweiligen Präparates und die Anweisungen des Arztes zu beachten!

–    Johanniskraut kann die Wirksamkeit anderer Mittel beeinflussen. Es setzt beispielsweise die Wirkung der Anti-Baby-Pille herab.

–    Absolute Gegenanzeigen sind die Einnahme von Blutverdünnern des Cumarin-Typs, Anti-HIV- Therapie, Zytostatika-Therapie, die Vorbereitung auf eine Transplantation, bestimmte Herzmedikamente (z. B. Digoxin gegen Herzschwäche). In diesen Fällen könnte ebenfalls die Wirkung der Medikamente beeinflusst werden und gefährliche Gesundheitsprobleme verursachen. Eine Eigenmedikation ist also tabu.

–    Schwangeren, Stillenden, Kindern und Jugendlichen ist Johanniskraut nicht empfohlen, weil für diese Personengruppen bisher keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen.

–    Wie bei jedem pflanzlichen Heilmittel können individuelle Überempfindlichkeiten bis hin zu allergischen Reaktionen auftreten.

 

Fazit

Johanniskraut ist ein wirksames pflanzliches Arzneimittel, das für die Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen, seelischer Verstimmungen, aber auch von Hauterkrankungen, Verletzungen und Magen-Darm-Problemen zugelassen ist. In hoher Dosierung ist es verschreibungspflichtig. Es kann – je nach Indikation – äußerlich und innerlich angewendet werden. Da es wegen seiner erwiesenen hohen Wirksamkeit sowohl die Psyche beeinflussen als auch verschiedene
Neben- und Wechselwirkungen haben kann, sollte vor der innerlichen Verwendung stets ein Mediziner hinzugezogen werden. Bei äußerlicher Anwendung ist ein Verträglichkeitstest an kleinen Hautpartien sinnvoll.

 

Quellen:

(1)    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=hypericum+perforatum&TransSchema=title&cmd=detailssearch
(2)    Szegedi A. et al.: Acute treatment of moderate to severe depression with hypericum extract WS 5570 (St John’s wort): randomised controlled double blind non-inferiority trial versus paroxetine. 2005
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15708844
(3)    S3-Leitlinie Unipolare Depression, Kapitel 3.4.1, 2015
http://www.leitlinien.de/nvl/html/depression/kapitel-3
(4)    http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/johanniskraut.php
(5)    Monographie BGA/BfArM (Kommission D), Bundesanzeiger Nr 190 a vom 10.10.1985
(6)    Svea Silja Hezel: In vitro-Untersuchungen zu Inhaltsstoffen von Hypericum perforatum L. sowie Topische Anwendung von Hypericum perforatum Extrakten bei der Atopischen Dermatitis, 2003
https://freidok.uni-freiburg.de/data/1131
(7)    Fischer, Heide: Frauenheilpflanzen, nymphenburger Verlag 2006/2009

Diese Informationen werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschliesslich als Informationsquelle für Interessierte gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Die Informationen stellen auf keinen Fall einen Ersatz für Beratungen oder Behandlungen durch ausgebildete und anerkannte Ärzte oder sonstige nach deutschem Recht zugelassene Heilpersonen dar. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker. Wenn Sie sich tiefergehend über entsprechende Produkte informieren wollen, lassen Sie sich von einem Arzt oder Heilpraktiker beraten bzw. besorgen Sie sich weiterführende Fachliteratur.

Bildquellen

  • johanniskraut: Fotolia © behewa
  • johanniskraut: Pixabay
  • johanniskraut-bluete: Pixabay WDnetStudio
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