I❶I Was ist eigentlich Colostrum bzw. Biestmilch?

colostrum

Colostrum

Neugeborene, egal ob Mensch oder Tier, sind besonders schutzbedürftig, da ihr Organismus noch ganz am Beginn seiner Aufgaben steht und sie noch nicht selbst agieren können. Auch im Bereich der Gesundheit sind sie auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen.

Dessen war sich Mutter Natur scheinbar stets bewusst und hat bestimmte Mechanismen entwickelt, um die wehrlosesten aller Wesen mit einer Art Schutzschild zu versorgen.

Vor allem die Mutter kann viel dafür tun, dass ihr Nachwuchs in den ersten Stunden und Tagen möglichst gut mit allen Nährstoffen versorgt wird, die es benötigt. In diesem Zusammenhang spielt das so genannte Colostrum, das auch als Erstmilch oder Biestmilch bekannt ist, eine wichtige Rolle.

In diesem Artikel erfahren Sie, was Colostrum überhaupt ist. Außerdem erhalten Sie einen Überblick über die Inhaltsstoffe von menschlichem und tierischem Colostrum.

Zudem bekommen Sie alle wichtigen Informationen, darüber weshalb die ersten Portionen Muttermilch bei verschiedenen Beschwerden helfen könnten. Seien Sie gespannt auf das, was Colostrum scheinbar kann.

 

 

Was ist Colostrum?

Unter diesem Begriff versteht man in der Regel die so genannte Erstmilch beim Menschen und auch beim Tier. Andere Bezeichnungen für diese Milch lauten Vormilch oder Kolostralmilch. Bei Kühen wird der Begriff Biestmilch verwendet. Das ist die erste Milch, die die Mutter bzw. das Muttertier nach der Geburt ihres Nachwuchses bildet, um ihn zu versorgen. Diese nur während der ersten 3 – 5 Tage gebildete Erstmilch bzw. Biestmilch enthält, im Gegensatz zu sonst produzierter Milch, einen höheren Anteil an den folgenden Stoffen:

  • Protein (Eiweiß)
  • Mineralstoffe
  • Fett
  • Vitamine
  • Nukleotide
  • Enzyme
  • Aminosäuren
  • Wachstumsfaktoren
  • Antikörper (Immunglobuline)

Solange Colostrum gebildet wird, sinkt der Fettanteil ab. Nach etwa 5 Tagen verändert sich die Zusammensetzung der Milchbestandteile und sie enthält dann alle Inhaltsstoffe wieder in den normalen Mengen. Interessanterweise ist die Zusammensetzung von menschlichem und tierischem Colostrum sehr ähnlich.

 

Gesundheitliche Anwendungsgebiete

Aufgrund ihrer besonderen Zusammensetzung werden dem Colostrum bzw. der Biestmilch bestimmte Schutz- oder Heilwirkungen zugesprochen, die einerseits zum Schutz der Neugeborenen bei Mensch und Tier eingesetzt werden können und andererseits bei verschiedenen Erkrankungen und den daraus resultierenden Beschwerden helfen sollen.

Die menschliche Erstmilch kommt fast ausschließlich dem Neugeborenen zugute. Das bovine (tierische) Colostrum hingegen wird auch verwendet, um heilwirksame Präparate für den Menschen herzustellen. Diese werden dann bei den folgenden Erkrankungen eingesetzt:

  • Infektionen (bakteriell, viral)
  • Allergien
  • Pilzerkrankungen
  • Magen-Darmerkrankungen
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Tumorerkrankungen

Im nächsten Abschnitt erfahren Sie mehr darüber, warum menschliches Colostrum so wichtig für Neugeborene ist und wie sich die wichtigsten, heilwirksamen Inhaltsstoffe von tierischer Biestmilch auf die Gesundheit des Menschen auswirken können.

 

Wie die Erstmilch der Mutter dem Neugeborenen nützt

Das von menschlichen Müttern produzierte Colostrum dient wohl vor allem dazu, den noch unausgereiften Verdauungstrakt des Kindes zu schützen und soll auch sein Immunsystem stärken. Deshalb besitzt die Erstmilch leicht abführende und entzündungshemmende Eigenschaften.

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Enzyme und Antikörper der Erstmilch

Durch die abführenden Eigenschaften kann vom Neugeborenen der erste Stuhl sowie das so genannte Bilirubin besser ausgeschieden werden kann. Insgesamt soll die Erstmilch also durch seine Enzyme die Vorgänge im Darm des Kindes in Gang bringen. Außerdem sind die Immunstoffe der Erstmilch wohl in der Lage, das Immunsystem des Kindes zu stärken, das kurz nach der Geburt noch relativ schwach ausgebildet ist.

 

Die Wirkstoffe der Bistmilch für die Menschliche Gesundheit

Dieser frühen Muttermilch von Kühen werden durch die enthaltenen Mengen an Immunglobulin, Immunregulatoren sowie Wachstumsfaktoren vor allem wachstumsfördernde, wundheilende, entzündungshemmende und regenerative Eigenschaften zugesprochen. (1)

 

Immunglobulin und seine Wirkung

Diese Globuline sind nichts anderes als Antikörper. Ihre stärkste Wirkung sollen sie im Darmbereich, einem der größten Organe des Menschen, entfalten. Der Mensch produziert diese Immunglobuline zwar selbst, kann ihre Wirkung aber durch eine zusätzliche Aufnahme verstärken. Auf diese Weise wird ein belastbarer Schutzschild aufgebaut, der Bakterien, Viren und auch Pilze abwehren kann. Die vier wichtigsten Immunglobuline tragen die Bezeichnungen IgG, IgM, IgA sowie sekretorisches IgA. (2)

 

Immunregulatoren und ihre Wirkung

Sie starten, steuern und harmonisieren, wie der Begriff bereits andeutet, die gesamte Abwehr des menschlichen Immunsystems. Beispielsweise gilt Lactoferrin als einer der wirksamsten antibakteriellen bzw. antiviralen Stoffe im menschlichen Organismus. Es kann vermutlich im Zusammenspiel mit bestimmten Kohlenhydraten (Polysaccharide, Oligosaccharide) bestimmte Bakterienstränge neutralisieren. Den Interferonen werden wachstumshemmende Eigenschaften in Bezug auf die Zellen von Tumoren nachgesagt. Polypeptide schließlich sollen ausgleichenden (aktivierenden und bremsenden) Einfluss auf das Immunsystem nehmen können. (3)

 

Wachstumsfaktoren und ihre Wirkung

Wie die Bezeichnung vermuten lässt, scheinen diese Wachstumsfaktoren (Polypeptide) in der Lage zu sein, positiv auf den Zellstoffwechsel zu wirken. Außerdem sind sie wohl dazu geeignet, die Regeneration von Zellen und auch ihr Wachstum anzuregen. Diese Fähigkeiten beziehen sich sowohl auf das Wachstum von Muskel- und Nervengewebe, Knorpeln und Sehnen als auch auf die Haut. (4)

 

Nukleotide und ihre Wirkung

Ein für den Zellstoffwechsel hilfreicher Stoff sind die Nukleotide in Erstmilch bzw. Biestmilch. Diese haben anscheinend die Fähigkeit Hormone sowie andere Stoffe im Organismus zu steuern, die für dann bestimmte Enzym-Reaktionen starten. In der Biestmilch von Kühen sind 7 unterschiedliche Nukleotide zu finden, die für die Gesunderhaltung der Zellfunktionen sowie die Reparatur der Zellen verantwortlich sind.

 

Anwendungsformen von Colostrum

Für die Anwendung von Colostrum gibt es verschiedene Möglichkeiten. Grundsätzlich gilt, dass Colostrum stets mit viel Flüssigkeit aufgenommen werden sollte. Zu vermeiden ist der gleichzeitige Genuss von heißen Getränken. Diese könnten die Wirkung der Biestmilch aufheben. Es gibt Colostrum-Produkte in verschiedenen Formen:

  • Flüssigkeit
  • Tabletten
  • Kapseln
  • Pulver

Da es gesetzlich verboten ist, zusätzliche Stoffe hinzuzufügen, besitzen alle Colostrum-Produkte dieselben Bestandteile. Lediglich bei der Haltbarmachung wird zwischen der so genannten Kaltherstellung und der traditionellen Pasteurisierung unterschieden. Die gewählte Methode kann den Gehalt der wichtigsten Inhaltsstoffe beeinflussen.

Bei der Pasteurisierung können nämlich einzelne Bestandteile zerstört werden, was aber durch den sehr schonenden Prozess meist nur in geringem Ausmaß geschieht. Deshalb müssen die einzelnen Beschwerden nicht einer bestimmten Darreichungsform zugeordnet werden.

Egal, ob Sie Colostrum zur Behandlung von Infektionen, Pilzerkrankungen oder Diabetes mellitus benutzen möchten, es kommt vor allem darauf an, welche Art der Darreichung Ihnen am angenehmsten ist. Manche verwenden am liebsten die flüssige Variante, andere tun sich mit Tabletten oder kapseln leichter.

 

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Colostrum ist ein vollkommen natürlicher Stoff und hat nach bisherigen Berichten keinerlei schwerwiegende Nebenwirkungen oder Gegenanzeigen. Manchmal wird darauf hingewiesen, dass Personen mit einer Lactose-Intoleranz auf Biestmilch verzichten sollten. Allerdings gibt es auch hierzu keine gesicherten Erkenntnisse. Weder bei der Einnahme von Colostrum Kapseln noch beim Verzehr von Colostrum Extrakt traten gesundheitlich Probleme bei Allergikern auf. Die Colostrum Erfahrung der meisten Nutzer scheint tatsächlich mehrheitlich zu bestätigen, dass es keine Nebenwirkungen gibt.

 

Erwerb von Colostrum-Produkten

Zunächst ist es eine wichtige Information für Sie, dass Biestmilch-Produkte in Deutschland als Nahrungsmittel bzw. Nahrungsergänzungsmittel gelten und frei erhältlich sind. Hersteller solcher Mittel dürfen keinerlei Hinweise zu leistungssteigernden oder medizinisch relevanten Wirkungen geben.

Wenn Sie ein Präparat aus Colostrum erwerben möchten, achten Sie vor allem auf das Herstellungsverfahren sowie die Menge der enthaltenen Stoffe. In der Regel ist in kalt hergestellten Produkten ein größerer Anteil der wichtigsten Inhaltsstoffe vorhanden.

 

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Fazit

Mutter Natur hat mit der Colostrum bzw. Biestmilch genannten Milch, die nach der Geburt für kurze Zeit von den Müttern produziert wird, einen effizienten Schutzmechanismus geschaffen. Durch sie werden die Immunsysteme der Neugeborenen aktiviert und geschützt. Die Medizin und Heilkunde entdeckte schon früh, dass die zahlreichen, wichtigen Inhaltsstoffe der Erstmilch auch für die Gesundheit von Erwachsenen nutzbar gemacht werden kann. So wurden Colostrum-Produkte entwickelt, in denen scheinbar heilwirksame Stoffe wie Nukleotide, Proteine, Enzyme und andere in großer Menge erhalten bleiben. Sie können nicht nur zur Stärkung des Immunsystems beitragen, Bakterien und Viren bekämpfen oder gegen Bluthochdruck eingesetzt werden. Selbst bei HIV und bestimmten Krebsarten sollen sie positiven Einfluss nehmen. Es sind zwar noch nicht alle Inhaltsstoffe von Biestmilch restlos erforscht. Dennoch scheint dem Menschen hier ein vielseitig einsetzbares Mittel zur Verfügung zu stehen, das bei einer Vielzahl von Erkrankungen einsetzbar ist.

 

Quellen

(1) Handbuch der Vitalstoffe

(2) Patient — Infektion — Immunglobulin

(3) Immunologie für Einsteiger

(4) Burnout: das ausgebrannte & leere Ich

 

 

Wissenschaftliche Studien

Die Inhaltsstoffe und Wirkweisen von Colostrum sind seit vielen Jahren Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen und Studien. Die interessantesten werden hier aufgelistet.

Studie zur Sicherheit von Biestmilch:

https://books.google.de/books?id=R9wpAQAAIAAJ&q=Preston,+R.+1987,+International+Institute+of+Nutritional+Research&dq=Preston,+R.+1987,+International+Institute+of+Nutritional+Research&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi-3pTMmavSAhVE2CwKHZr1A50Q6AEIJjAC

Studie zur zellerhaltenden und zellreparierenden Wirkung von Colostrum-Nukleotiden:

https://www.cambridge.org/core/journals/journal-of-dairy-research/article/acid-soluble-nucleotides-of-cows-goats-and-sheeps-milks-at-different-stages-of-lactation/6AA8F9113E3F131643ACE9E086E9DB85

Studie zur wachstumshemmenden Wirkung von Colostrum-Peptiden auf Tomurzellen:

Dwyer, New England Journal of Medicine, Jan. 9 1992, V326 S.107(10)

Diese Informationen werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschliesslich als Informationsquelle für Interessierte gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Die Informationen stellen auf keinen Fall einen Ersatz für Beratungen oder Behandlungen durch ausgebildete und anerkannte Ärzte oder sonstige nach deutschem Recht zugelassene Heilpersonen dar. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker. Wenn Sie sich tiefergehend über entsprechende Produkte informieren wollen, lassen Sie sich von einem Arzt oder Heilpraktiker beraten bzw. besorgen Sie sich weiterführende Fachliteratur.

Bildquellen

  • colostrum: 123rf Iakov Kalinin
colostrum

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