Aloe Vera – Vorteile und Wirkungsweise

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Aloe Vera Pflanze

Eine Zeit lang fast in Vergessenheit geraten, ist die Aloe Vera heute als Heilpflanze wieder auf dem Vormarsch. Manchmal wird sie sogar als eine Art Wunderwaffe gegen zahlreiche gesundheitliche Probleme angesehen. Tatsächlich verfügt sie über Wirkstoffe, die Ihrer Haut und Ihrer Verdauung gut tun. Auf diesen beiden Gebieten ist die Aloe Vera eine auch nach westlichem Standard anerkannte Heilpflanze. In den Naturheilmethoden des Ostens ist sie schon seit Jahrhunderten fest verankert.

 

 

Die Aloe Vera: Pflanze der Unsterblichkeit?

Aloe Vera gehört zu den Liliengewächsen. Der Name Aloe Vera (L.) geht auf den
Botaniker Linné zurück, der die Pflanze erstmals wissenschaftlich-botanisch
beschrieben hat. Eine andere gängige Bezeichnung ist Aloe barbadensis (M.) nach
dem Taxonomen Miller. In beiden Fällen können Sie sicher sein, die „Echte
Aloe“ in Händen zu halten.

Wegen ihrer ursprünglichen Herkunft aus heißen und trockenen Regionen (vermutlich Sudan, arabische Halbinsel, Mexiko, Brasilien) wird sie auch als Wüstenlilie tituliert. Schon vor etwa 5.000 Jahren zeichneten die Ägypter erste Heilwirkungen der Pflanze auf, um sie ihren Nachkommen zu überliefern. Die älteste bekannte Abbildung stammt aus dem Jahr 521 nach Chr. und ist im Pergament-Codex des Arztes und Naturforschers Dioskurides zu finden („Dioscurides Neapolitanus“).

Cleopatra, Nofretete, Alexander der Große, Christoph Kolumbus, Pfarrer Kneipp – sie alle sollen der Überlieferung nach Anhänger der gesundheitlichen Wirkungen der Heilpflanze gewesen sein. Die Ägypter gaben ihr den Namen „Pflanze der Unsterblichkeit“, die Maya-Indianer nannten sie „Quelle der Jugend“, und für den Buchautor Michael Peuser (1) ist sie die „Kaiserin der Heilpflanzen“. Wem so viel Lob und Ehre zuteil wird, der sollte schon einiges zu bieten haben!

 

Was steckt drin in Aloe Vera?

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Aloe Vera Blätter

Pharmazeuten, Biochemiker, Ernährungswissenschaftler: Sie alle interessieren sich für das, was in der Aloe steckt. Inzwischen hat sich gezeigt, dass mindestens 160 verschiedene Wirkstoffe das Besondere der Aloe Vera ausmachen. (2) Darunter finden sich einige recht außergewöhnliche Substanzen, und alle sind bestens aufeinander abgestimmt. Sehen Sie sich die Inhaltsstoffe etwas genauer an:

 

 • Acemannan

Vor allem das Acemannan, ein Polysaccharid (also eine Zuckerart), erregte bei seiner Entdeckung in den 1980er Jahren die besondere Aufmerksamkeit der Forscher. Es besitzt antibakterielle, antivirale und antimykotische Eigenschaften. Das heißt, es kann gegen Bakterien, Viren und Pilze zugleich wirken.

 

• Aminosäuren

Von diesen Grundbausteinen der Proteine besitzt die Aloe Vera gleich 20 von 22 möglichen, darunter die 9 essentiellen. Diese kann der Körper nicht selbst herstellen, er muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Proteine benötigen Sie beispielsweise als Hauptbaustoffe Ihrer Zellen, also für gesunde Haut, Haare, Muskeln.

 

• Enzyme

Enzyme sind chemische Wirkstoffe, die dem Stoffwechsel dienen. Sie sind in der Lage, andere Stoffe ab-, um- oder aufzubauen. Sie sorgen auch dafür, dass alle anderen Nährstoffe überhaupt Wirkung im Organismus entfalten können. Von der Struktur her sind es ebenfalls Eiweißstoffe (also auch Proteine), jedoch mit besonderen Aufgaben. Die Aloe Vera verfügt über eine stattliche Anzahl dieser Enzyme.

 

• Vitamine und Mineralstoffe

Vitamin A, C, E, mehrere Vitamine des B-Komplexes (B1, B2, B6 und B12), Folsäure und Niacin sind die Vitamine, mit denen Sie in der Aloe Vera rechnen können. Hinzu kommen die Makroelemente Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium und Natrium sowie die Mikronährstoffe Chrom, Kupfer und Zink. Vitamine und Mineralstoffe sind Radikalfänger, wirken somit antioxidativ und gegen Zellalterung.

 

• sekundäre Pflanzenstoffe

Zu guter Letzt steuern reichlich sekundäre Pflanzenstoffe das bei, was an der außerordentlichen Nährstoffvielfalt noch fehlt, um die Aloe Vera zum Heilmittel zu machen. In dieser Substanzgruppe finden Sie abführende Anthrachinone, ätherische Öle, schmerzlindernde Salicylsäure, Phytosterine, Triterpene und Saponine, um nur einige zu nennen. Zu den sekundären Pflanzenstoffen der Aloe Vera zählt auch das Glykosid Aloin, ein Blattharz. Es zählt zu den kritischen Inhaltsstoffen der Pflanze, da es bei höherer Dosierung und längerer Anwendung giftig wirkt. Das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) sagt deshalb, dass Präparate mit Aloin nur für maximal zwei Wochen mit zweimaliger Anwendung pro Woche eingesetzt werden dürfen.

 

Anwendungsgebiete und Darreichungsformen

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Aloe Vera Gel

Aus der Aloe Vera Pflanze lassen sich im Wesentlichen zwei Produkte herstellen:
Gel und Saft. Aus diesen beiden Konsistenzen lassen sich auch die Anwendungsgebiete ableiten, denn Gel wird anders eingesetzt als Saft. Für das Gel wird die Blatthaut der Pflanze abgeschabt und das so freigelegte Blattinnere ausgepresst. Es entsteht ein naturtrübes, dickliches Gel. Da es schnell
oxidiert, muss es umgehend abgefüllt werden.

Sonst verliert es an Reinheit und Wirkung. Für die Herstellung des Saftes wird in der Regel das ganze Blatt püriert. Da mit diesem Verfahren auch da  giftige Aloin mit ausgepresst wird, muss es anschließend mittels Kohlefilter entfernt werden. Doch damit gehen nicht nur die Giftstoffe, sondern auch wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Aloe Gel gilt daher als hochwertiger als Aloe Saft. Lesen Sie jetzt, welche Anwendungsgebiete für Gel und Saft gängig sind:

 

• Aloe Vera Gel für die Haut – äußerliche Anwendung

Hauptanwendungsgebiet für Aloe Vera Gel ist die Haut. Viele kosmetische und dermatologische Produkte setzen auf die Haut pflegenden, entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkungen der Inhaltsstoffe. Hautirritationen und Hautverletzungen jeder Art, Brandwunden, Sonnenbrand, kleine Schnittwunden, Juckreiz, Verätzungen durch Chemikalien, Fältchen und Narben – dies sind die typischen Anwendungsgebiete des Aloe Gels. Für die Haut heilenden Effekte wird vor allem das Acemannan verantwortlich gemacht, wie eine Studie aus dem Jahr 2004 nahe legt (3). Der natürliche Säureschutzmantel der Haut wird stabil gehalten und die Zellerneuerung angeregt. Deshalb wird Aloe Vera auch als Anti Aging Mittel angesehen.

 

• Aloe Vera Saft für die Verdauung – innerliche Anwendung

Für die innerliche Anwendung ist Aloe Vera Saft bzw. Extrakt laut HMPC als „medizinisch allgemein anerkannt“ akzeptiert zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Obstipation (Verstopfung). Auch die Kommissionen E und ESCOP schließen sich dieser Beurteilung an. (4) Als Wirkstoff gelten in diesem Fall die Anthranoide der Aloe, die die Ausscheidung von Wasser fördern und gleichzeitig für eine Zunahme der Darmfüllmenge sorgen. Durch den höheren Fülldruck wird die Darmmuskulatur angeregt und die Peristaltik verstärkt. Es kommt zur Darmentleerung. Sie können damit rechnen, dass die Stuhlentleerung etwa 8 bis 12 Stunden nach Einnahme des Saftes erfolgt.

 

• Überlieferte Anwendungsgebiete

Die Volksmedizin empfiehlt die innerliche Anwendung von Aloe Vera bei verschiedenen Erkrankungen, etwa Diabetes mellitus, Immunschwäche, Allergien, Arteriosklerose, Appetitlosigkeit, Geschwüre. Hiervon ist jedoch keine Wirkung bisher wissenschaftlich hinreichend belegt, es handelt sich ausschließlich um Überlieferungen von Naturvölkern oder alternativmedizinischen Traditionen.

 

• Aloe Vera für Tiere

Auch für Tiere stehen heute Produkte mit Aloe Vera zur Verfügung. Sie können beispielsweise Shampoos, Lotionen oder Sprays zur Fell- und Körperpflege Ihres Haustieres verwenden. Aber auch pulverförmige oder flüssige Präparate zur Einnahme werden angeboten. Innerlich angewendet soll damit die Nährstoffversorgung und somit das Gesamtbefinden des Tieres verbessert werden.

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Aloe Vera auf der Fensterbank

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Aloe Vera Pflanze

Die Aloe Vera ist auch eine dekorative immergrüne Zimmerpflanze. Sie können Sie durch Ableger selbst vermehren. Die Pflege ist problemlos, denn sie benötigt wenig Wasser und kaum Dünger. Lediglich Staunässe und Frost mag sie nicht. Sie können sogar selber ernten: Dafür die äußeren (ältesten) Blätter an der Basis anritzen und vorsichtig abdrehen. Das Blatt kann einige Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden, das austretende Gel können Sie auf die Haut auftragen. Der Franziskaner-Pater Romano Zago hat ein Rezept für einen Vitalcocktail mit dem frisch geernteten Blatt der Aloe Vera kreiert. (5)

 

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

 

• Innerliche Anwendung (Saft)

Das in der Aloe Vera enthaltene Aloin, ein übrigens bitter schmeckender Stoff, kann bei Überdosierung schwere Nebenwirkungen haben. Die amerikanische Lebensmittel- und Gesundheitsbehörde (FDA) hat unter anderem Panikattacken und starke Blutdruckschwankungen dokumentiert. Es ist also unbedingt auf die vorgesehene Dosierung zu achten. Für den Saft gilt, dass Kinder unter 12 Jahren vom Verzehr ausgeschlossen sind.

Gegenanzeigen sind:

  • Nierenerkrankungen
  • Darmverschluss
  • entzündliche Darmerkrankungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Störungen des Elektrolytehaushalts
  • Einnahme von Medikamenten, die zu Kaliumverlusten führen können
  • Bauchschmerzen unbekannter Ursache

Bei langer Einnahme von Aloe Vera können Leberschäden auftreten, deshalb sollte es nicht ständig bzw. langfristig verwendet werden. Der Dauergebrauch kann außerdem zu Mineralstoffmangel führen. Überdosierungen können die Nieren reizen.
Eine mögliche, vorübergehende Rotfärbung des Harns gilt als unbedenklich.

 

• Äußerliche Anwendung (Gel)

Wie alle Heilpflanzen kann auch die Aloe Vera in Einzelfällen Überempfindlichkeiten bis hin zu allergischen Reaktionen hervorrufen. Allgemein gilt die Anwendung aber als gut verträglich.
Gegenanzeigen sind:

  • Überempfindlichkeiten gegen andere Liliaceen-Arten
  • Anwendung während eines chemischen Peelings der Haut
  • Dermabrasion vor weniger als 2-3 Wochen

Wer empfindlich reagiert, kann mit Brennen oder Juckreiz rechnen.

 

Gute Qualität

Wichtig ist, stets auf eine hochwertige Qualität des Aloe-Produktes zu achten. Das International Aloe Science Council (IASC) sorgt als unabhängiger
Qualitätskontrolleur für eine festgelegte Mindestqualität. Es vergibt Qualitätszertifikate an diejenigen Hersteller, die entsprechende Qualitätsstandards erfüllen. Mit der Verwendung von Produkten mit diesem Zertifikat stellen Sie sicher, dass keine Verunreinigungen oder unerlaubte
Zusätze das Produkt belasten. (6)

 

Fazit

Eine Wunderwaffe gegen Krankheiten ist die Aloe Vera ganz sicher nicht. Aber sie besitzt eindeutig wissenschaftlich abgesicherte Wirkung gegen Verstopfung. Hier hat die Heilpflanze eine Zulassung als Arzneimittel. Eine längere Anwendung ist allerdings auch auf diesem Gebiet nicht empfehlenswert. Die Wirksamkeit bei Hauterkrankungen wie Psoriasis, Herpes genitalis oder bestimmten Formen der Dermatitis gilt ebenfalls als sicher. Alle anderen Wirkungen beruhen auf Erfahrungswerten oder Überlieferung und sind wissenschaftlich nicht belegt.

 

Quellen

(1) Peuser, Michael: Aloe – Kaiserin der Heilpflanzen, 2000
(2) http://www.aloe-vera.net
(3) Talmadge J. et al.: Fractionation of Aloe vera L. inner gel, purification and
molecular profiling of activity. 2004
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15531292
(4) http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/aloe.php
(5) http://deutsches-aloe-vera-zentrum.de/index.php/aloe-vera-infos/verwendung.html
(6) http://www.iasc.org

Diese Informationen werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschliesslich als Informationsquelle für Interessierte gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Die Informationen stellen auf keinen Fall einen Ersatz für Beratungen oder Behandlungen durch ausgebildete und anerkannte Ärzte oder sonstige nach deutschem Recht zugelassene Heilpersonen dar. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker. Wenn Sie sich tiefergehend über entsprechende Produkte informieren wollen, lassen Sie sich von einem Arzt oder Heilpraktiker beraten bzw. besorgen Sie sich weiterführende Fachliteratur.

Bildquellen

  • aloe-vera-pflanze: 123rf didecs
  • aloe-vera-blaetter: 123rf areeya
  • aloe-vera-gel: 123rf Phonlawat Chaicheevinlikit
  • aloe-vera-pflanze: 123rf Inga Tihonova
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